Philharmonisches Orchester Basel

Konzertrezensionen

Konzert vom 21. November 2010
Konzert vom 16. April 2005
Konzert vom 21. November 2004
Konzert vom 28. März 2004
Konzert vom 22. November 2003

Konzert vom 21. November 2010
im Stadt-Casino Basel

Biel-Benkemer Dorf-Zytig vom 26. November 2010

Philharmonisches Orchester Basel & Studienchor Leimental

„Denn wir haben hier keine bleibende Statt!“
- ein deutsches Requiem von Johannes Brahms

Orchester ganz

Das Meisterwerk der Kompositionskunst hervorragend intoniert: Das Philharmonische Orchester Basel und der Studienchor Leimental im vollbesetzten grossen Musiksaal des Stadtcasino Basel (Foto: Hans Zwicky)

Der Studienchor Leimental präsentierte am Sonntag, 21. November 2010 zusammen mit dem Philharmonischen Orchester Basel unter der Leitung des Dirigenten Jonathan Brett Harrison das Werk von Johannes Brahms (1833 - 1897) „Ein deutsches Requiem“ op. 45 für Soli, Chor und Orchester.

Der vollbesetzte grosse Musiksaal des Stadtcasinos Basel kam in den Genuss des siebenteiligen Requiems mit un-bequemer und doch Hoffnung ver-sprechender Botschaft. Das „Selig sind, die da Leid tragen“ (1. Satz) verwandelte sich über das „Wie lieb-lich sind deine Wohnungen“ (4. Satz) hin zur Verheissung von Freude und Auferstehung bzw. Verwandlung im letzten Satz für alle, die Trauer tragen. Fragen im Zusammenhang mit unse-rem Lebensende, wie: „Wo gehen wir hin?“, „Was treffen wir an?“ oder „Wie gestaltet sich ein Wiedersehen?“ treiben uns alle irgendwie um. Die Vorstellung, nach dem Tod komme das ewige Dunkel, befriedigt (zumin-dest uns) nicht. Diesen Fragen und möglichen Antworten, der Bibel als Zitate entnommen, widmete sich auch Johannes Brahms in einer Zeit, die aus heutiger Sicht trotz aller verklärenden Naturromantik als ziemlich mühselig und hart wahrgenommen würde. Der Tod war im Alltag viel gegenwärtiger und als letzte Antwort auf obige Fra-gen ein zu kaltschnäuziger Geselle. Das deutsche Requiem von Brahms entfaltet tongewaltig und doch subtil all die Zwiespältigkeit und Hoffnung im Drama „Leben“.

Hervorragend intonierten Chor und Orchester dieses Meisterwerk der Kompositionskunst, das sogar einen Taktwechsel mitten in einer begonne-nen Fuge als Stilmittel verwendet. Der Chorsopran war hoch gesetzt und er-klang oft anmutig rein – ein guter Ge-gensatz zu den fordernden Tenören und Bässen in Chor und Orchester. Dazwischen die Alt-Stimmen, flehend und vermittelnd.

Der Dirigent Jonathan Brett Harrison verstand es, das Orchester und den Chor punktgenau zu führen und die Dramatik des Werkes zu entwickeln ohne je einmal opulent zu werden.

Dem Abend eine Krone aufgesetzt haben die beiden Solostimmen, Maya Boog (Sopran) und Martin Bruns (Ba-riton). Das Programmheft hat nicht zu viel versprochen: Die sympathische Schweizer Sopranistin begeisterte auch das Publikum in Basel mit der Einheit von Klang und vermittelter Botschaft – es lief einem buchstäblich kalt den Rücken hinunter.

Der sehr lang anhaltende Applaus am Schluss des Konzerts (nach eben nicht zu viel Musik) verdankte die eindrück-liche Leistung aller Beteiligten zu Recht.

Last but not least: Ganz schön, dass auch der Leiter des Studienchor Lei-mental, Sebastian Goll, auf der Bühne gewürdigt wurde mit Applaus von zwei Seiten, dem des Publikums und dem der Mitwirkenden. Sebastian Goll hat nämlich die ganze Aufführung über im Publikum gesessen. Man ist versucht zu sagen: Bescheiden aber oho!

von Marianne Lander und Daniel Vuilliomenet

Konzert vom 16. April 2005
in der Martinskirche Basel

bz 22. April 2005

Spielfreude und Engagement

Das Philharmonische Orchester spielte Werke von Cherubini, Haydn und Mozart

VON PAUL SCHORNO

BASEL. Es ist lobenswert, dass Laienorchester, die nicht auf die Vorlieben und Wünsche eines Abonnementspublikums Rücksicht zu nehmen brauchen, dem Publikum Werke präsentieren, die andernorts kaum in den Programmen Eingang finden. Der Orchesterverein, der seit dem Jubiläumsjahr 2004 unter dem Namen «Philharmonisches Orchester Basel» auftritt, spielte in der Martinskirche gleich zu Anfang des Konzertes ein Werk von Luigi Cherubini: die Ouvertüre zur Oper «II Giulio Sabino»!

Cherubini gehört zu den nahezu vergessenen Komponisten der Musikgeschichte. 1760 in Florenz geboren und musikalisch ausgebildet, liess er sich im Alter von 28 Jahren endgültig in Paris nieder, wo er 1842 starb.

Einigen Erfolg erntete Cherubini auf dem Gebiet der Oper. Der keinem Stil und keiner Schule verpflichtete Komponist wurde von Haydn und Beethoven sehr geschätzt, und in einer viel späteren Zeit setzte sich der berühmte Dirigent Toscanini mit Blick auf Schallplattenaufnahmen für ihn ein.

In der sehr gut besetzten Martinskirche war, wie erwähnt, eine Opern-Ouvertüre zu hören. Keine allzu bedeutende Komposition, ein gefälliges, leichtfüssiges Stück Musik, das vom Orchester nicht durchwegs mit gut ausgeebnetem Klang wiedergegeben wurde. Und dies bei spürbarer Spielfreude und Einsatzbereitschaft.

Haydns einziges Konzert für Trompete und Orchester

Joseph Haydn ist ein Komponist für alle Fälle. Hier entschloss man sich für das Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur Hob. Vlle: 1. Es ist Haydns einziges bedeutendes Konzert für Blechblasinstrumente und zugleich das letzte Solokonzert. Das dreisätzige Opus erfreut mit wohlgefällig schöner Melodik. Der Solotrompeter im Sinfonieorchester Basel, Guillaume Jehl, gefiel solistisch mit klangsattem, gelassen souveränem Vortrag, integriert und eingebettet in das Orchester, mit ihm auch muntere Dialoge führend. Starker Applaus für den Solisten.

Als fast metronomhaft unerbittlich klarer Taktgeber führte Dirigent Jonathan Brett Harrison das Orchester mit der viel gedeuteten und analysierten Sinfonie Nr. 40 g-Moll (Mozarts Tonart für Abgründiges) KV 550 zu einer starken, beseelten und klanglich wie dynamisch homogenen Leistung. Das hörte sich als musikantisch entschlossene Auflehnung wider negative düstere Strömungen an, endend mit einem druckvoll gespielten Allegro-Finale voll Tempo und Feuer. Das Publikum spendete viel Beifall.

Konzert vom 21. November 2004
im Stadtcasino Basel

BaZ 23.11.2004

Hundert Jahre und kein bisschen müde

Das Philharmonische Orchester Basel mit seinem Jubiläumskonzert

JÜRG ERNI

Nach dem Laienchor-Wochenende feierte das Philharmonische Orchester Basel sein 100-jähriges Bestehen im vollbesetzten Musiksaal. Dazu legte es den Vereinsmantel ab und nennt sich jetzt kühn nach Berliner Vorbild «Philharmonisches Orchester».

Die Reihen des Freizeitorchesters habei sich deutlich verjüngt. Und die Distanz zun Berufsorchester ist geringer geworden, spätestens seitdem der britische Dirigent Jonathan Brett Harrison, ein fabelhafter Orchestererzieher, das Heft in die Hand genommen hat und seinen Liebhabern zeigt, wie man sich in die erste Liga spielt. Orchestervereinspräsident Peter Heer und Regierungsrat Hans-Martin Tschudi richteten Grussworte und Glückwünsche an den 72-köpfigen Jubilaren. Danach hoben die jüngsten Philharmoniker als ihr Auftragswerk das viertelstündige Orchesterstück «Biotit» von Jost Meier aus der Taufe.

SCHLIFF. Ein Solitär, aus Eisenglimmer gewonnen und dreidimensional zur «Glimmer-Schiefertafel» geschliffen: Haupttöne reiben sich an kreisenden Nachbartönen. Glimmer und Glitzer blitzen auf und bilden oszillierende Klänge mittels «Clusters», Tontrauben, mit Blöcken und Klangschichten, die sich überlagern. Da hat ein Strahler für den Schliff seines Klangsteins aus dunklem Silikatmineral tief geschürft und aus dem Urgestein bedeutungsschwere Bilder gewonnen, die vom Hörer eine gehörige Portion an Vorstellungskraft abverlangen. Die Festbesucher nahmen das neue Werk beifällig auf.

Danach kehrte man zur Klassik zurück. Adrian Oetiker spielte den Solopart in Beethovens drittem Klavierkonzert so apart subtil wie kraftvoll zielstrebig. Der 36-jährige St. Galler, der an Basels Musikhochschule lehrt, ist ein Meister der klangfarblichen Schattierungen und der rhetorisch differenziert formulierten Kontraste von Hell und Dunkel, Piano und Forte, Akkordisch und Linear. Es ist eine Freude zu verfolgen, wie souverän er seinen Part gestaltet, zugriffig in der Kadenz des ersten Satzes, zärtlich in der Kantabilität des Largo und federnd leicht im Rondo. Das Orchester begleitete akkurat, subtil und rhythmisch sattelfest. Eine andere, filigrane Seite zeigte Oetiker in der Zugabe aus Debussys «Images».

SPIELLAUNE. Vollends in ihrem Element fühlten sich die Feierabend-Philharmoniker in Antonín Dvořáks achter Sinfonie, in der sonst von den Profiorchestern gepachteten, hochromantischen Sinfonik von der Moldau. Gewiss gelang da intonatorisch nicht alles lupenrein, etwa im Adagio bei den Trompeten oder im vierten Satz bei den Streichern. Aber ansteckend war die Spiellaune, die die Musikerinnen und Musiker in allen Registern versprühten und die das Publikum in ihren Bann zog. Jonathan Brett Harrison setzte klare Zeichen und führte das jubilierende Orchester sicher über die hohen Klippen der Partitur hinweg.

kultur.panorama. baz 23. November 2004 Seite 5

bz 23.11.2004

100 Jahre Basler Musikhistorie

JUBILÄUM / Das Philharmonische Orchester Basel überraschte mit einer Uraufführung und einem Solisten.

von Giselle Reimann

BASEL. Im Jahr 1904 wurde der Christliche Orchesterverein Basel gegründet, 1923 wurde er auf den Namen «Philharmonischer Orchesterverein Basel» umgetauft. Heute heisst das Amateurorchester «Philharmonisches Orchester Basel» und feiert sein 100-Jahr-Jubiläum mit einem abwechslungsreichen Programm.

Das Orchester sei ein Stück Basler Musikgeschichte, meinte Peter Heer, Präsident des Philharmonischen Orchestervereins Basel, in seiner Jubiläumsrede. Klassik und Romantik bildeten das Herz der Programme. Mehr und mehr würde sich das Orchester aber auch an neuere Werke heranwagen beispielsweise «Biotit» von Jost Meier, welches an diesem Abend uraufgeführt wurde. Bevor es aber so weit war, überbrachte der Basler Regierungsrat Hans Martin Tschudi der Jubilarin die Glückwünsche der Regierung und betonte, dass Laienformationen wie das Philharmonische Orchester viel zum Ruf Basels als Kulturstadt beitrügen, indem sie den Zugang zur Musik erleichtern und Hemmschwellen abbauten.

Das äusserst zahlreich erschienene Publikum konnte sich in der Folge selber davon überzeugen, dass die beiden Redner nicht in zu hohen Tönen gesprochen hatten: Mit «Biotit» als Einstieg wagte das Orchester quasi den Sprung ins kalte Wasser. Mit Engagement zeigten die rund sechzig Musikerinnen und Musiker, wie das Mineral «Biotit» in vertonter Form aussieht. Das Publikum hörte das Gestein glitzern, bersten, schiefem und hart aufschlagen. In regelmässigen Abständen kehrte die Musik zurück zu extrem ruhigen und breit gefassten, dünn instrumentalisierten Abschnitten – ein Hinweis auf die Zeitlosigkeit von Steinen?

Mit dem Klavierkonzert Nr.3 von Ludwig van Beethoven kehrte das Orchester zurück in heimischere Gefilde, nämlich die Klassik. Eine grosse Überraschung war der Schweizer Pianist Adrian Oetiker: Der Solist glänzte mit tadellosen Läufen und unermesslich gefühlvollen Adagio-Passagen und hatte das Publikum schnell auf seiner Seite. Zuweilen gab es leichte Verschiebungen zwischen Solist und Orchester, die Dirigent Jonathan Brett I Harrison aber gut auffangen konnte.

Zum Schluss setzte das Orchester noch einmal alle Energie für Antonín Dvořáks Sinfonie Nr.8 frei. Intonationsprobleme im ersten Satz wurden schnell korrigiert. Das Philharmonische Orchester war bis zum letzten Schlussakkord voll und ganz bei der Sache. Alles in allem geriet das Konzert etwas sehr lange, war aber aus der Sicht des Publikums ein voller Erfolg.

Konzert vom 28. März 2004
in der Katharinenkirche in Laufen

BaZ 31.3.2004

Schubert und Hartmann in Laufen

Laufen. mach. Freunde klassischer Musik hatten den letzten Sonntag schon seit längerer Zeit in ihrer Agenda markiert. Das Philharmonische Orchester Basel gastierte im barocken Gotteshaus des Städtchens. Das durch die hohen Fenster dringende Licht liess die Zierde der Altäre leuchten, unter dem grossen Kruzifix versammelten sich die Musiker, um sich vor dem Konzertbeginn aufeinander einzustimmen. Für den zweiten Auftritt in der St. Katharinenkirche hatte man Werke dreier bedeutender Komponisten des 19. Jahrhunderts ausgewählt. Den Anfang bestritten die Streicher allein, «Aus Holbergs Zeit» hiess der erste Streich, seinerzeit geschrieben vom Norweger Edvard Grieg. Wunderschön übergossen die Geigen und Cellos den Zuschauerraum mit elegischen Harmomen. Epische Fanfaren wechselten sich ab mit leisen Ikonen. Der Mix aus Barock, Romantik und Klassizismus fand Gefallen und tosenden Applaus.

Das Orchester reformierte sich, die Streicher überliessen ihre Plätze den Bläsern und mischten sich unter die Zuschauer. Jonathan Brett Harrison, seines Zeichens Dirigent der Truppe, gab den Auftakt, der Raum füllte sich mit den Klängen der «Serenade op. 43» des Dänen Emil Hartmann. Das abwechslungsreiche Werk fand seinen ersten Höhepunkt in einem unbändigen Scherzo und marschierte nach einem ruhigen Intermezzo unaufhaltsam dem rhythmischen Finale entgegen. Eine kurze Pause erlaubte es dem Orchester, sich in voller Besetzung zur Sinfonie Nr. 6 in C-Dur von Franz Schubert aufzustellen. Abermals wurde aus dem Vollen geschöpft, die Steigerung lotete die Spannung bis zuletzt aus und wurde von gezielten Bogenstreichen abrupt und treffsicher beendet.

Konzert vom 22. November 2003
in der Katharinenkirche in Laufen

BAZ 24.11.2003

Feenzauber mit Cello in Laufen

Laufen, jäh. Zum ersten Mal in seinem fast hundertjährigen Bestehen gastierte der Philharmonische Orchesterverein Basel in der Katharinenkirche in Laufen. Das fast 60-köpfige Basler Amateurorchester bot nicht nur hoch stehende Musik, sondern auch einen atemberaubenden Anblick vor dem üppigbarocken Altar. Mit der Ouvertüre «Yolanthe» von Arthur Sullivan eröffnete der sympathische Dirigent Jonathan Brett Harrison das Konzert. Schon bald schwebte die Fee Yolanthe musikalisch durch die Kirche und liess den Alltag wie Blätter im Herbst abfallen.

Fee in Menschengestalt Eine Fee ohne Flügel, aber mit Cello, bereicherte das Orchester im anschliessend zu Gehör gebrachten berühmten Cellokonzert von Edward Elgar. Die erst 23 jährige Solistin Sol Gabetta verzauberte das Publikum durch ihr fantasievolles Spiel. Wirkte sie im ersten Moment fast zerbrechlich, schien sie im weiteren Verlauf des Konzerts mit ihrer Musik traumgleich davon zu schweben – wie eine menschlich gewordene Fee eben. Das Orchester wurde dafür im Cellokonzert sehr sparsam eingesetzt und liess Sol Gabetta die Chance, ihr Können voll auszuleben. Hingerissen von der Solistin, forderte das Publikum eine Zugabe und bekam sie auch. In einer eigenen Interpretation entlockte die junge Musikerin ihrem Cello ungewohnt faszinierende Töne und begeisterte Publikum und Orchester gleichermassen.

Licht senden in die Tiefe des menschlichen Herzens - das sei des Künstlers eigentliche Berufung, soll Robert Schuhmann in seinem kurzen und rastlosen Leben geschrieben haben. Und diese Forderung erfüllte er auch mit seiner Sinfonie Nr. 4 in d-Moll. Mit dem kräftigen kurzen Auftakt überspülte die Musik die Zuhörer, um sie abwechslungsweise mit leisen, zarten Tönen im Innersten zu berühren und anschliessend die beiden Kronleuchte in der Kirche erzittern zu lassen.

Wiedersehen im Casino Basel Das 1904 gegründete Amateurorchester wird seit zwei Jahren von Jonathan Brett Harrison geleitet. Im Jubiläumsjahr wird der Philharmonische Orchesterverein Basel am 21. November 2004 im Casino Basel ein spezielles Programm zur Aufführung bringen. Mehr wollte der Vorstand dazu leider nicht verraten. Wer das Konzert vom vergangenen Samstag verpasst hat oder noch mehr hören will, sollte sich dieses Datum schon heute reservieren.

LAUFEN Wochenblatt 27.11.2003

Grosses Orchester spielte grosses Konzert

Der Philharmonische Orchesterverein Basel bot in der Katharinenkirche in Laufen am Samstagabend ein ausgereiftes Konzert. Mit von der Partie war eine begnadete Solistin.

Martin Staub

Ein solches Konzert hätte durchaus noch mehr Zuhörerinnen und Zuhörer verdient. Der Philharmonische Orchesterverein Basel beanspruchte mit seinen rund 60 Musikantinnen und Musikanten fast mehr Platz im Chor als das eher spärlich erschienene Laufner Publikum. Den Orchesterleuten allerdings schien das nicht allzuviel auszumachen, denn schliesslich konnten sie das Laufner Konzert durchaus als Hauptprobe finden grossen Auftritt am darauf folgenden Tag im Basler Casino betrachten.

Pünktlich um halb acht verstummten die diversen Streich-, Blas- und Schlaginstrumente, die zuvor mit Konzertmeister Wim Viersen auf ihren Instrumenten die passende Stimmung eingestellt hatten. Der grosse Mann, Dirigent Jonathan Brett Harrison, erschien, reichte dem Konzertmeister nach traditioneller Manier die Hand und hob den Taktstock zur Ouvertüre zu «lolanthe» von Arthur Sullivan. Bereits die allerersten Harmonien und Melodienbogen bestätigten es: Wer kam, hat für diesen Abend das richtige Konzert ausgesucht. Präzision, Reinheit und Musikalität dieses vorwiegend aus Amateuren bestehenden Orchesters bestachen. Das brillante, beschwingte Eröffnungsstück von Sir Arthur Sullivan, der zur viktorianischen Zeit in England etwa die gleiche Bedeutung hatte, wie Johann Strauss in Wien oder Jacques Offenbach in Paris, liess die Fee lolanthe scheinbar leibhaftig werden. Diese trat in der Person von Sol Gabetta, einer zierlichen jungen Frau, die in der Folge auf ihrem Cello sämtliche Register musikalischen Könnens zog. Das «Cellokonzert e-Moll, op 85» von Edward Elgar, der beispielsweise durch den bekannten Konzertmarsch «Pomp and Circumstance» bekannt wurde, schien Gabetta auf den Leib geschrieben. Der Kontrast zwischen den äusserst feinen Passagen und den rasanten virtuosen Teilen bezauber te das Publikum. In der geforderten Zugabe verblüffte Sol Gabetta, indem sie zusammen mit der eigenen Stimme passagenweise dreistimmig auf ihrem edlen Instrument spielte.

Nach der Pause zelebrierte Brett Harrison mit seinem Orchester die Sinfonie Nr. 4 in d-Moll op.120. Dieses abwechslungsreiche Werk, welches in dieser Form Schumann erst 1853, also drei Jahre vor seinem Tod zur Uraufführung brachte, rundete dieses grosse Konzertereignis ab.

Die Cellistin Sol Cabetta überzeugte als Solistin nicht minder als Dirigent Jonathan Brett Harrison.